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DAS BUCH

Mit einem harten Stift, der auf einer speziellen Folie tastbare Spuren hinterlässt, zeichnet das blinde Kind inmitten der sehenden Kinder. In seinen spontanen Zeichnungen führt es uns Augenmenschen in seine von allen Sinnen erfasste, begriffene und erahnte Welt. Im Einklang mit den über 70 thematisch geordneten Zeichnungen stehen poetische Dreizeiler als persönliche Antwort der Autorin auf die kindlichen Bilderbotschaften. Im erklärenden Textteil wird der Leser mit einbezogen in die Kreativität und Freude beim Entstehen der ausdrucksstarken Bilder blinder Kinder.

Stern hoch am Himmel
wärst du doch in meiner Hand
wenn es dunkel wird

Die im Original tastbaren Folienzeichnungen sind im Buch nicht tastbar, der jeweilige schöpferische, individuelle Zeichenprozess wird von der Autorin bildhaft erzählt und in einem Haiku verdichtet. Die authentischen Zeichnungen erinnern an Höhlenzeichnungen. Das blindgeborene Kind besitzt wie das sehende Kind eine universelle Bildersprache. Die Zeichenentwicklung verläuft ähnlich wie beim sehenden Kind. Grundlegend ist die ganzkörperliche Wahrnehmung der Umwelt mit allen Sinnen, bei Blinden verstärkt mit dem Tastsinn, dem Hören, dem Schmecken und Riechen. Die am eigenen Leib erfahrene Bewegung z.B. beim Schlitten fahren fließt in die Zeichenspuren des Kindes mit ein: Die Bewegung wird Gestalt. Das blinde Kind liest und schreibt in Blindenschrift, doch der Reichtum seiner inneren Bilderwelt bleibt oft aus Mangel an Wertschätzung, Anregung und Bereitstellung von blindengerechtem Zeichenmaterial unerschlossen. Die blindenspezifischen Besonderheiten in der Kunst von Blinden gilt es weiter zu erforschen in unserer visuell überstrapazierten Welt der Sehenden. Die Autorin ermutigt Sehende und Blinde zum gemeinsamen nonverbalen bildnerischen Ausdruck und Austausch. Künstler, Wahrnehmungsforscher, Hirnforscher, Pädagogen, Therapeuten, Erzieher sind fasziniert von den Bilderbotschaften blindgeborener Kinder.

 

Das in hochwertiger Ausarbeitung gebundene Buch ist im Format 30 x 30 und hat 162 Seiten.

Erschienen im Süd-Ost-Verlag, 2003

ISBN 3-89682-084-2